Offener Brief an den DDHFDo, 07.06.2018

Dies ist ein offener Brief an den DDHF, der am Tag der Veröffentlichung auch dessen Präsidium zugestellt wird.

Nachtrag 19.06.2018
Wenige Tage nach diesem offenen Brief hat der DDHF eine Stellungsnahme veröffentlicht:
https://drive.google.com/file/d/1PmUC34apFEAmPPba7sEKOpwmS5faiQRS/view

Hintergrund ist das Geschehen um ein Ende April 2018 von einem Präsidiumsmitglied des DDHF auf Facebook geteiltes Video, das von der Mehrheit der Betrachter eindeutig als rassistisch und fremdenfeindlich empfunden wurde, und somit für entsprechende Irritation bei Mitgliedern des DDHF und der Historischen Fechterszene darüber hinaus sorgte.

Der DDHF hat damals schnell reagiert und intern eine Diskussion angestoßen, wie weiter verfahren werden sollte, und auch vollkommen korrekt direkt versucht, sich von dem Video und dessen Inhalten zu distanzieren.
Das Präsidiumsmitglied hingegen entzog sich der aufkommenden Debatte, indem es alle kritischen Beiträge und Nachfragen, darunter auch die  Distanzierungen des offiziellen DDHF-Accounts, löschte.
Ein Klärungsgespräch im persönlichen Rahmen konnte ebenfalls keine Einigung herbeiführen, weswegen durch die Präsidentin eine Präsidiumssitzung anberaumt wurde. Diese fand aus organisatorischen Gründen und aufgrund der in der Satzung verankerten Einladungsfrist erst knapp einen Monat später statt.
Auf dieser Präsidiumssitzung wurde nun dem Mitglied, das weiterhin keinen Grund sieht, sich von dem Video zu distanzieren, nahegelegt, von seinem Amt zurückzutreten, was auch akzeptiert wurde.

Bis zu diesem Zeitpunkt standen wir voll hinter dem Präsidium und dessen Standpunkt zu der Streitfrage.

Dieser Rücktritt ist allerdings nun, zwei Wochen später, immer noch nicht offiziell erfolgt. Der DDHF hat dem Mitglied, von dem man sich in der Vorstandssitzung ja aus gutem Grund getrennt hat, überlassen, seinen Rücktritt selbstständig öffentlich zu verkünden. Hierbei wurden keinerlei Fristen gesetzt und gleichzeitig möchte man sämtliche Reaktionen des DDHF, sowohl zu seinen Mitgliedern, als auch weiter in die Szene hinaus, erst nach dem Rücktritt angehen, von dem aber niemand weiß, wann und ob überhaupt er verkündet wird. Auf der Webseite ist weiterhin das vollständige Präsidium aufgeführt. Einer eigenen Initiative oder zumindest angemessenen Fristsetzung verweigert sich das Präsidium trotz Aufforderung bis heute.

Wohlgemerkt geht es hier nicht um eine Schlammschlacht oder ein Anprangern des Mitglieds. Angesagt gewesen wäre allerdings eine sachliche, gerne auch auf die Person hin neutrale Ansage, daß und warum es zu der Trennung kam, in Verbindung mit einem klaren Statement gegen Rassismus – ein Punkt übrigens, den der DDHF richtigerweise direkt in der Präambel seiner Satzung führt, der aber in der Außenwirkung vollkommen fehlt.

An dieser Stelle ist es wichtig nochmal eines klar zu stellen: Neben der grundsätzlichen Frage der Position zu bzw. gegen Rassismus gibt es hier eine zweite Ebene. Das Präsidium eines Verbandes ist dem Wohl seines Verbandes verpflichtet. Durch das Teilen der von einer breiten Masse als rassistisch empfundenen Inhalte als auch dem folgenden Verhalten eines Teil des Präsidiums, schlussendlich durch das von außen als solches wahrgenommene Schweigen des Präsidiums als ganzes, ist dem DDHF Schaden im Ansehen und damit letztlich in der Akzeptanz in der Historischen Fechterszene entstanden.
Es wäre die Aufgabe des Präsidiums gewesen, offen mit diesem Schaden umzugehen, und das möglichste zu tun, ihn aus der Welt zu schaffen.

Im Namen von Zornhau als Verein hatte der Vorstand am Mittwoch, den 30.05., dem DDHF eine Frist bis heute, Donnerstag den 07.06. – sechs Wochen nach dem Vorfall selbst – gesetzt, in der die offenen Fragen – Klärung, wann der Rücktritt definitiv verkündet wird, Statement an die Mitglieder – geklärt werden sollte. Diese Frist ist ohne Reaktion verstrichen, weswegen wir nun diesen Weg mit dem offenen Brief beschreiten.

Es wäre für den DDHF ein Leichtes gewesen, schon lange entsprechende Statements zu tätigen, die inhaltlich ja dem definierten Selbstverständnis  entsprächen. Ein solches Vorgehen hätte niemand schaden müssen, wurde aber explizit abgelehnt.
Wir werfen dem DDHF nicht vor, Rassismus aktiv zu unterstützen. Wir bedauern aber sehr, daß das Präsidium aus falsch verstandener Rücksicht gegenüber einem in der Sache unkooperativen Mitglied jegliches Heft der Handlung aus der Hand gab.
Wir wissen, daß der DDHF in seiner Gesamtheit für einen fairen, diskriminierungsfreien Umgang miteinander einsteht. Um so mehr bedauern wir es, daß das eigentlich selbstverständliche Bekenntnis zu diesen Werten gescheut wird.

Wir hoffen weiterhin, daß wir mit diesem offenen Brief einen Teil dazu beitragen können, positiv auf das Außenbild des DDHF einzuwirken. Auch wenn es von außen für viele Leute so wirkte, als würde nichts geschehen, war der DDHF intern aktiv zu der Sache. Dies sollte hervorgehoben werden. Ebenso hoffen wir, daß dem Präsidium klar wird, daß ein Dachverband nicht durch Schweigen geleitet werden kann. Wir sind gerne bereit zur Zusammenarbeit und einem konstruktiven Dialog, aber ein Verzetteln hinter geschlossenen Türen hilft uns auf dem kommenden Weg nicht weiter.

Der DDHF hat noch große Ziele, die vor allem anderen viel Arbeit bedeuten. Vielleicht kann er durch die Erfahrungen gestärkt in diese Zukunft blicken.
Zu wünschen wäre es.

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