Berlin Buckler Bouts #9, November 2016So, 29.01.2017

Die Berliner Buckler Bouts sind ein Einladungs-Event. Das bedeutet in diesem Fall, dass zwar jeder willkommen ist, aber Personen bevorzugt werden, die den Geist der Veranstaltung teilen und den Veranstaltern oder deren Freunden bekannt sind. Der Grund dafür ist leicht zu verstehen, es wird vorwiegend ohne Schutzausrüstung gefochten, teils mit scharfen Waffen. Das möchte man selbstredend nicht mit jedem Unbekannten ausprobieren. Ein bestimmtes Grundvertrauen muss vorhanden sein. Unser Trainer für Einhandwehren, Jens Peter Kleinau, besucht zum zweiten mal die Veranstaltung, mit einem Abstand von einigen Jahren. Seine Eindrücke schildert er in den folgenden Zeilen.

Die Fechtgemeinschaft um Roland Warzecha besitzt dank seiner Präsenz in den sozialen Medien und seine frühen Reise- und Lehraktivitäten den angenehmen Charakter einer sehr großen internationalen Familie von Gleichgesinnten. Ein besonderes Charakteristikum dieser Gemeinschaft ist das Ausüben des so bezeichneten Slow-Sparrings mit Schwert und Schild. „Slow Sparring“ ist eine Freikampf-Form, bei dem die Geschwindigkeit so reduziert wird, dass die Fechtpartner ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle haben. Zusätzlich werden durch die geringe Beschleunigung und dem geringen Krafteinsatz schwerwiegende Unfälle vermieden.
Auch wenn man in Toulouse, Dijon, und vielen anderen internationalen Veranstaltungen, einige Fechter im Slow-Sparring mit Buckler und Schwert antrifft, so sind die Berlin Buckler Bouts das Mekka dieser Fechtübung. Im Dezember 2013 besuchte Jens Peter die dritte Ausgabe der Berlin Buckler Bouts und war von der Methodik und der Idee des Slow Sparrings als Übungsform begeistert. Zwar birgt sie eine hohe Anzahl von Artefakten (Wucht, Beschleunigung, Massenträgheit, Härte, Weg-Zeit-Verhältnis, um nur ein paar zu nennen), doch fördert sie gleichzeitig Konzentration, Verständnis der Fußarbeit, Haltung und Handarbeit mit der Klinge. Diese in den Unterricht mit einzubringen erscheint sehr sinnvoll.
Der Besuch der 9. Ausgabe der Berlin Buckler Bouts war ein erfreuliches Wiedertreffen von Fechtfreunden und Kennenlernen neuer Gesichter, beispielsweise der Fechtschüler aus Leipzig von Torsten Schneyer (Gründungsmitglied und ehemaliger Übungsleiter bei Zornhau). Es wurden zwei Tage gefochten und sich über alle Aspekte des Fechtens ausgetauscht.
Das Niveau der Fechtpartner war durchschnittlich sehr hoch. Doch leider muss man anmerken, dass sich aus der Übung „Slow Sparring“ ein grundsätzliches Konzept durchgesetzt hat. Das heißt, es findet sich eine relativ große Menge von Fechtern, die fast ausschließlich in dieser Form üben. Dazu auch nur eine Waffenkombination üben und somit dem Grundgedanken des Fechtens (Kämpfen) nicht entsprechen. Dies ist irritierend, denn die Artefakte multiplizieren sich, sofern sie nicht durch andere Übungen (und andere Waffen oder unbewaffnet) korrigiert werden. Dies führt dazu, dass Fechtbewegungen durchgeführt werden, die schlicht nicht realistisch sind. Führen diese dann zu „Treffern“, steigt die Höhe der Augenbrauen bis zum Haaransatz.
Aber es finden sich auch erfahrene und gute Fechtpartner, die alle Varianten des Sparrings kennen, und auch mehrere Waffenkombinationen. Somit konnte unser Trainer auch Spaß an Schwert und Dolch und Dussak haben.
In der Gesamtbetrachtung eine Veranstaltung, die einstmals unbedingt empfehlenswert war, heute jedoch etwas unter der Einseitigkeit leidet.

Danke an die Bloßfechter zu Chemnitz für die Bilder.

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