Vermessungsprojekt DinkelsbühlMi, 11.05.2011

Dieser Artikel ist in seiner Urform zwar bereits mehrere Jahre alt, erfreut sich jedoch aufgrund seiner Datensammlung in der historischen Fechterszene ungebrochener Beliebtheit. Die „ZEF“-Schwerter sind inzwischen weithin berühmt und Vorlagen diverser Repliken geworden. Daher haben wir beschlossen, ihn in stark verkürzter Form – natürlich bei voller Beibehaltung der großen Waffenfotos und Datenblätter – auch auf der neuen Website zu zeigen. Normalerweise hat man es als Praktiker der Fechtkunst mit einem durchschnittlichen Einkommen bei mittelalterlichen Waffen bekanntermaßen mit modernen Schwert-Produkten zu tun. Diese erfüllen selbstredend, je nach der Akkuratesse ihres jeweiligen Produzenten, ihren Zweck. Doch hat man immer die bange Frage im Hinterkopf, um wie viel denn die Waffe nun vom Original abweicht. Hier muss man sich auf das Wort des Schmiedes verlassen, der jedoch – vor allem im unteren Preissegment – oft nur auf Sekundärquellen oder gar schlichtes Augenmaß und Mutmaßungen zurückgreift. Will man wirklich mehr über die Blankwaffen des Mittelalters und der Renaissance erfahren, kommt man an der Begutachtung historischer Originale nicht vorbei.

Dies trifft vor allem dann zu, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich vom Handwerker seiner Wahl selbst einmal für den eigenen Bedarf eine hochwertige Replik anfertigen zu lassen.
Jeder historische Fechter träumt davon, schöne, gut erhaltene vier- bis fünfhundert Jahre alte Schwerter selbst einmal in die Hand und unter die Lupe nehmen zu können. Leider ist das für Normalsterbliche so einfach nicht möglich. Historische Blankwaffen sind kostbare Museumsstücke, ihre Zahl ist begrenzt und allesamt werden sie mit dem Fortschreiten der Zeit immer wertvoller. Museen als öffentlich bezuschusste Einrichtungen tragen eine große Verantwortung und ihre Sammlungen werden normalerweise nur Wissenschaftlern entsprechender Fachgebiete zugänglich gemacht. Auch Privatsammler hüten ihre Schätze verständlicherweise wie ihren Augapfel und lassen nicht gleich jeden Fremden in ihre Privaträume.

Zornhau hatte Glück und war gleich zwei Mal Gast in den Verkaufsräumen des Antikwaffenhändlers Fricker. Jürgen H. Fricker, ehemaliger Kunstmaler und Werbefachmann, begann sich Mitte der 70er Jahre beruflich umzuorientieren und beschloss, seine Leidenschaft für historische Waffen zum Beruf zu machen. Er begann zu sammeln und zu handeln und trägt inzwischen allerhand Titel, z. B. den eines “öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für historische Waffen” und ist “Sekretär des Kuratoriums zur Förderung historischer Waffensammlungen”. In den Jahren 2007 und 2008 waren wir Gast in seiner Sammlung und durften nach Herzenslust Originalwaffen betrachten, in die Hand nehmen, Vermessen, Fotografieren und Wiegen.

Die Datensätze, die wir bei der Untersuchung erstellten, erfüllen keinen wissenschaftlichen Anspruch, zumal sich unsere Kommentierung auf unser kämpferisches Steckenpferd bezieht. Sie dienen weniger dem Archäologen und Kunstgeschichtler als vielmehr dem praktisch orientierten Sammler, Handwerker und Kampfkünstler, der sein Detailwissen über die Originale erweitern möchte oder als Vorlage für das aufwändige Nachschmieden einer möglichst authentischen Replik. Deshalb und leider auch aus Zeitgründen, mussten wir Abstriche am Umfang der erhobenen Daten machen. So mögen beispielsweise die Vermessungspunkte der Klingenbreite dem peniblen Gemüt als zu wenige erscheinen, anderseits werden die Zahlendaten durch die Fotos unserer Meinung nach mehr als ausreichend ergänzt und offene Fragen, die sich aus der Tabelle ergeben, zu Genüge beantwortet. Die Datensätze und die hochauflösenden Bilder bieten wir zum privaten Gebrauch auf dieser Seite zum Download an. Es ist jedoch ausdrücklich nicht erlaubt, sie auf anderen Servern zum Download anzubieten oder durch so genannte „deep links“ als eigenen Webcontent darzustellen. Bei Verweisen in Foren bitten wir um eine kurze Urheberrechtsangabe.

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