Training

Nicht an der tollen Aufmachung einer Website, sondern am eigentlichen Training erkennt man die Qualität eines Vereinsangebotes. Wir sind bestrebt, historisches Waffentraining auf möglichst allumfassende, fundierte und seriöse Weise zu vermitteln.
Zur Zeit wird bei Zornhau an 5 Tagen die Woche in 6 Einheiten zu jeweils 2 Stunden trainiert. Dabei teilt sich das Training grob in die folgenden Bereiche:
Training nach Curriculum

Technik-Training

zornhau-023 Das Zornhau-Training orientiert sich an langfristig angelegten Plänen, die die Trainer der jeweiligen Klassen ausarbeiten. Diese Lehrpläne sind inhaltlich natürlich von den jeweilig behandelten Waffenkünsten abhängig und werden außerdem regelmäßig überarbeitet. Hier auf Einzelheiten jeder Waffengattung oder gar auf Techniken einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Wir verweisen an dieser Stelle auf die Fachartikel. Einige Grundsätze seien hier exemplarisch genannt:

  • Überblick über das Fechtsystem und dessen Fachterminologie, Arbeiten mit historischen Originalbegriffen.
  • Üben von Einzeltechniken der jeweiligen Waffenkunst, Durcharbeitung der Stücke in all ihren Variationen.
  • Erläuterung und Ergründung der Zusammenhänge zwischen einzelnen Stücken.
  • Arbeiten mit biomechanischen und taktischen Grundprinzipien wie Stärke/Schwäche, Vor/nach/indes.
  • Sorgsamer Übergang vom reinen “Auswendiglernen” hin zum reflexorientierten, dynamischen Waffentraining.
  • Individuell hohe physische Beanspruchung bei möglichst hoher Sicherheit.
  • Harte Grundschule, zyklische Wiederholungen und ständiger Rückgriff auf bereits erlerntes Können.

Kampftraining

Einmal pro Woche wird es bei Zornhau ernst, denn die fortgeschrittenen Kämpfer des Vereins finden sich zusammen, um das Erlernte auszutesten. Diese Trainingseinheit geht an die Grenzen der individuellen Leistungsfähigkeit und manchmal auch darüber hinaus. Neben einer zügigen und anspruchsvollen Wiederholung des aktuellen Langschwert-Lehrstoffes stehen vor allem freie und semi-freie Kampfübungen auf dem Plan. Bei semi-freien Übungen ist der Inhalt eines Waffengangs abgesprochen, die Techniken limitiert. Bestimmte Techniken dürfen an so genannten “Dummies” (gepanzerten Trainingspartnern mit unterschiedlich vorgegebener “Wehrhaftigkeit”) trainiert werden, bis sie funktionieren.
Freie Kämpfe wiederum werden mit entsprechender Schutzkleidung und Waffensimulatoren ausgefochten. Der Härtegrad ist von der Wahl dieser Ausrüstung abhängig.
Als Schutzkleidung dienen uns gepolsterte Fechtmasken, gepolsterte Fechtmeister-Kleidung, historische Gambessons sowie Protektoren aus diversen Kampf- und Hockeysportarten.
Als Waffensimulatoren nutzen wir (stumpfe und im Stich biegsame) Stahlschwerter, modifizierte Shinais, Fechtfedern (ebenfalls aus Stahl), Lange Messer aus Aluminium, Holz- und Polsterdolche, Stahlbuckler, flexible Stahlrapiere  und Stangenwaffen aus Fieberglas. Regeln wie in anderen Kampfsportarten gibt es in unseren Freikämpfen nicht, grundsätzlich ist alles erlaubt, was die Schule hergibt. Jederzeit kann und darf mit der Waffe in die Nahdistanz eingelaufen, festgehalten, geschlagen, gehebelt und geworfen werden und nicht selten geht ein Zweikampf auch auf dem Boden noch weiter, wenn kein klarer Waffentreffer erzielt wird. Sieger ist außerdem nicht derjenige, der “zuerst trifft”, sondern einzig der Fechter, dem es gelingt, einen oder mehrere klare (und mit einer echten Waffe gefährliche) Treffer zu landen ohne dabei selbst getroffen zu werden. Das Kampftraining dient nicht zum Vergleichen und zum Fördern von Konkurrenz, sondern einzig und allein der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten. Deshalb werden keine Punkte vergeben und es finden auch keine Turniere statt.

Einsteigerschule

zornhau-061 Die erhaltenen historischen Fechtbücher richten sich größtenteils an den bereits geübten Kämpfer und setzen Grundfähigkeiten vorraus, die ein Einsteiger ins historische Fechten nicht hat. Aus diesem Grund bieten wir ein wöchentliches Einsteiger-Training zum Langen Schwert an, in dem dem Adepten die  grundlegenden Bewegungsmuster, Technikansätze und auch die nötigen Sicherheitsregeln vermittelt werden. Das Einsteigertraining ist inhaltlich genormt, läuft  jede Woche nahezu gleich ab und kann theoretisch von jedem fortgeschrittenen Zornhauer gehalten werden. Es besteht aus:

  • Grundsätzliche Bewegungsschule, Körperhaltung, Ergonomie.
  • Fußarbeit.
  • Alle Huten (Grundstellungen) der liechtenauerschen Tradition.
  • Grundhäue und Stiche.
  • Basiswissen zu Abständen, Krafttvektoren, Hieblinien, Kampflinien.
  • Einfache Versatzungen.
  • Sicherheitstraining und Fallschule.

Körperschule

Historisches Fechten ist anstrengend und, wie jede ernsthafte Kampfkunst, nicht ganz ungefährlich. Nur ein trainierter und motorisch versierter Fechter stellt für sich selbst und seine Trainingspartner keine unnötig hohe Gefahr dar. Zu jedem fundierten Kampfkunsttraining gehört daher eine Kräftigung des Muskeltonus, ein Aufbau der Kondition und eine Steigerung der Koordinationsfähigkeit. Auch Aufwärmen als Vorbereitung des Bewegungsapparates auf die zu erwartende Belastung ist unerlässlich. Unsere Trainingsleiter haben viele Jahre Erfahrung in verschiedensten Kampfsportschulen gemacht und Seminare bei Sportlehrern belegt. Das Zornhau-Training ist daher auf einem aktuellen Stand. Ungesunde Übungen, z. B. für die Wirbelsäule, werden so weit wie möglich vermieden. Die Körperschule ist keine eigenständige Unterrichtseinheit, sondern Bestandteil jedes Trainings.

Aufwärmen zu Beginn:

  • Anregung des Kreislaufs und der Beweglichkeit.
  • Lockerung der Gelenke und Steigerung des Bewegungsradius.
  • Leichte Dehnung des kompletten Muskelapparates.

Körperliches Aufbautraining:

  • Isometrische Kraftübungen vielerlei Art.
  • Konditionstraining durch Kardio-Drill.
  • Zirkeltraining.
  • Bei Fortgeschrittenen: Ringen und Freikampf.

Abwärmen:

  • Nachdehnen der Muskulatur.
  • Lockere Atem- und Bewegungsübungen.
  • Yoga.

Quellenstudium

Jeden Sonntagnachmittag stellt Zornhau seinen Mitgliedern die Halle für eine Themen-offene Trainingseinheit zur Verfügung. Diese Stunden sind dem Quellenstudium und dem zwanglosen Ausprobieren von Technik-Interpretationen vorbehalten. Darüber hinaus können sich Einsteiger zusätzlich unterrichten lassen und manch Fortgeschrittener probt den ein oder anderen Waffengang.

Übungen mit scharfen Waffen

Ein stumpfes Übungsschwert mag noch so fein gearbeitet und gut ausbalanciert sein, es bleibt letzten Endes doch nur ein schwertähnlicher Gegenstand. Scharfe, historisch akkurate Repliken originaler Schwerter fühlen sich sowohl im Handling als auch in der Bindung anders an. Erst ein “richtiges” Schwert gibt dem Fechter durch den Sound, den es beim Schlagen produziert – und natürlich durch den Schnitt, den es beim Auftreffen auf ein Ziel erzeugt – das Feedback, welches er zur Vervollkommnung seiner Technik benötigt.

Aus diesem Grunde trainieren die fortgeschrittenen Zornhauer unregelmäßig mit scharfen Waffen. Natürlich nicht unkontrolliert auf den Mann, sondern als langsame Übung im Band, als Solo-Drill oder bei einem Schnitttest. Ähnlich wie beim Tameshigiri, dem japanischen Schwerttest, wird hierbei versucht eine Matte aus Tatami, dem japanischen Reisstroh, zu zerteilen.  Gerollt und eine Nacht lang in Wasser getaucht hat ein doppeltes Tatami ungefähr die Konsistenz einer menschlichen Gliedmaße. Nur, wenn der Hieb ohne großes Aufhebens glatt durch das Ziel fährt, war die Schnittlinie und somit die Körperhaltung des Ausführenden zu seiner Zufriedenheit. Um die Schnittübung zu steigern, sind sowohl dickere Rollen als auch ganze Kombinationen von Schlägen, bei denen das Ziel mehrfach zerteilt wird, möglich.