Dinkelsbühl: revisited
| Schwertfechter lieben Schwerter! Für diese Binsenweisheit braucht es
keinen Psychologen. Nun sind Schwertfechter oft ein besonderer
Menschenschlag und lieben aufgrund ihres Interesses für Historie und
Handwerkskunst alte Dinge. Glücklich schätzt sich eine Gruppe
Schwertfechter, erhaltene Originalschwerter betrachten zu dürfen. Steigern
lässt sich diese Wonne eigentlich nur dadurch, dass der Liebhaber die
Pretiosen aus den Vitrinen nehmen, fotografieren, vermessen und wiegen darf,
um eine ausführliche Dokumentation der Waffen herzustellen. Völlig aus dem
Häuschen jedoch gerät er dann, wenn es ihm erlaubt ist, diese auch noch als
Fechter in die Hand zu nehmen, um damit einige Hiebe und Stiche im Freien zu
führen. Genau dies ermöglichte uns Jürgen Fricker, Sammler und Kunsthändler historischer Waffen aus Dinkelsbühl in Franken. Wie schon im Jahr zuvor durften wir mit einem kleinen Team in seine Ausstellungsräume im Segringer Torturm einrücken und dort nach Herzenslust antike Waffen begutachten und ausführlich untersuchen. | ||
Herr Fricker, dem wir an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich danken möchten, ließ einen ganzen Nachmittag einer Horde fanatischer Schwertfans (ohne Kaufabsicht, wohlgemerkt!) in das Herz seiner Sammlung. Betrachtet man die Arbeitsdauer bei der Erstellung einer möglichst sorgfältigen Dokumentation, war unser Zeitfenster sehr begrenzt. Durch eine gute Planung und straffe Organisation gelang es uns jedoch innerhalb des Nachmittags zehn Waffen zu dokumentieren. Neben der Erfassung der physikalisch relevanten Daten wie den Proportionen, dem Klingenprofil, dem Gewicht und dem Schwerpunkt waren uns auch eine stilistische Einordnung der Klinge sowie die kleinen spannenden Details wichtig. So fotografierten wir Verzierungen, Schmiedemarken, Kampfscharten oder Knaufnieten mit einem leistungsfähigen Makroobjektiv. Die Dokumentation stellt eine Verbesserung zu unserem ersten Artikel dar: die Bögen wurden inhaltlich erweitert, strukturiert und digital erfasst; die Fotos stehen in höherer Auflösung zur Verfügung. | ||
„Der Liechtenauer-Fetisch“ Das folgende Schwert dürfte so ziemlich jedem Adepten der frühen deutschen Schule die Hände schwitzig werden lassen. Es handelt sich um eins der besterhaltenen spätgotischen Langschwerter, die wir bisher sahen und vereint so ziemlich alle Charakteristika, welche man von einer solchen Waffe erwartet. Da ist zuerst einmal die Länge. Mit knapp über 150 cm handelt es sich um eine gewaltige Waffe, die jedoch mit ihren knappen 1900g erstaunlich leicht ist. Erreicht wird das durch eine extrem spitz zulaufende Klinge mit rhombischem Querschnitt. Das steife Klingenprofil und der schlanke Ort lassen an eine Waffe für das Halbschwertfechten denken, und in der Tat gab es genau in der Klingenmitte eine leichte, eher fühl- als sichtbare Fehlschärfe. Doch wir zweifeln keine Sekunde, dass dieses Schwert auch zum Bloßfechten mehr als geeignet wäre. Stilistisch überzeugt das Schwert durch asketischen Purismus und gotische Trademarks: ein einfacher achteckiger Diamantknauf, ein schlichtes Kreuz (mit einem ebenfalls achteckigen Profil) und ein paar Schneidarbeiten an diesem, das war’s. Eine Wonne ist der Erhaltungszustand. Unter dem vollständig erhaltenen Griffleder zeigt sich deutlich die Kordelwicklung ab und auch die Metallteile wirken eher, als habe man ein besonders schönes Schaukampfschwert beim Training nur etwas härter rangenommen. Ganz klar unsere "Nummer Eins" dieser Exkursion! |
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„Gotisch“ Ein weiteres kleines Highlight war dieses schöne mittelalterliche
Schwert, in der Untersuchungsreihe das Zweitälteste. Anderthalbhänder des
14. Jahrhunderts sind nicht allzu häufig, meist stehen die klassischen
Langen Schwerter im Fokus der Aufmerksamkeit. Dieses Schwert ist es wert in
den Vordergrund gerückt zu werden. Auffällig an diesem Schwert ist zuerst
einmal der ungewöhnliche Knauf, den man in ähnlicher Form von anderen Waffen
um 1400 kennt, aber eben doch nicht oft im Original zu Gesicht bekommt. Ein
identisches Schwert befindet sich im Schweizerischen Landesmuseum, Zürich,
wie Herr Fricker uns in einem betreffenden Katalog zeigte: eine Militärwaffe
in Serienproduktion. Ob noch weitere Exemplare dieses Schwertes vorhanden
sind, ist uns allerdings nicht bekannt. Die Waffe wiegt bei einer Länge von 125cm lediglich 1250g. Beeindruckend ist der auf der Flächenachse verdickte Ort, an dem das Material zu beiden Seiten hin noch mal gut einen Millimeter zunimmt, während die Klingenbreite sich nur langsam verdünnt. Eine solche Nadelspitze, wie man sie sonst eher von reinen Bohrschwertern kennt, verleiht dem Schwert "Harnischkampf-Tauglichkeit". Ein Schwert, mit dem die Halbschwert-Anleitungen von Andreas Liegnitzer vom „kurtz swert Zw gewappenter hant“ bildschön umsetzbar wären. Die Schmiedemarke stellt ein geheimnisvolles, runenartiges Zeichen (in Messing tauschiert) bestehend aus einem diagonalen Kreuz und einer Senkrechten, auf der eine Art Sichel aufliegt. |
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„Schlank und Rank“ Dieses schöne Schwert mit einem liegenden Löwen als Schmiedemarke wurde uns als „Reitschwert“ gereicht, unserer Meinung nach hatte es eine starke Langschwert-Charakteristik. Zur fechterischen Einordnungsproblematik von sogenannten “Reit- und Seitschwertern“ habe ich bei ZEF 14 einiges geschrieben. Neugierige sollten kurz vorspringen und spionieren, um dieses Schwert hier besser einordnen zu können. Mit 141cm ist das Schwert ein für seine Klasse längeres Stück, das mit 1920g auch nicht leicht daher kommt (man vergleiche das 9cm und 300g leichtere ZEF-6). Das Parierwerk bestehend aus vor dem Kreuz gesetzten Bügeln und seitlichen Fingerringen tragen zum deutlich höheren Gewicht bei. Der Balancepunkt liegt bei beiden Schwertern etwa 9cm vom Kreuz entfernt auf der Klinge. Bemerkenswert ist der geschmälerte Bereich (abgesetzte Fehlschärfe) der Klinge vor dem Kreuz, der wie bei einem echten Rapier dazu gedacht ist, den Zeigefinger über das Kreuz zu legen, um so die Waffe besser kontrollieren zu können. Wie andere Schwerter besitzt diese Waffe ein sogenanntes "Nietknäufchen". Dieses dient dazu, den eigentlichen Knauf so zu verlängern, dass die Angel über ihn hinausragt. Muss der Schmied später an dem Schwert arbeiten, so hat er immer noch das in dem Nietknauf befindliche Stück der Angel zur Verfügung, das er zum erneuten Vernieten des Schwertes (diesmal direkt am Knauf) verwenden kann. |
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„wuchtig und robust“ Das vorliegende Lange Messer stammt leider nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Renaissance. Dennoch ist es fast einer Bauernwehr entsprechend puristisch. Mit über 1700g und einer Klingendicke von 0,56cm auf halber Länge ist die Waffe allerdings ein ziemlicher Brummer, zumal die Klinge bis 5cm vor den Ort fast völlig gerade ist und sich kaum verjüngt. Wie bei fast allen Stücken im Hause Fricker ist der Zustand fast optimal. Neben dem erstaunlich geradlinigen Verlauf der Klinge ist bei diesem Objekt die mit 28cm sehr lange Gegenschärfe zu bemerken, auf dem Bild ist der Übergang von dieser zum sehr dicken Klingenrücken gut erkennbar. Dadurch erhält die Waffe eine ungewöhnliche Form, die Assoziationen an ein Spatha hervorrufen. Der Wehrnagel ist in Form eines "J" mit dem Kreuz vernietet und mit fünf Rillen verziert. Er schützt den Griff, der eine Hohlkehle aufweist, die sich im kleinen Knauf fortsetzt. Der Knauf hat nur einen sehr kleinen Haken in Schneidrichtung. Der Griff weist eine Verdünnung durch Abnutzung auf, während die Klinge keine echten Scharten zeigt. |
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„Krum und schnell“ Dieses wundervolle Messer, dem zum Langen Messer der Wehrnagel und eine etwas geradere Klinge fehlen, kann als ein früher Säbel klassifiziert werden. Eine genaue Zuordnung zu einem Waffentyp fällt hier schwer. Mit einem Gewicht von rund einem Kilogramm, einer Klingenlänge von 81cm und dem langen Gehilz ist dies eine extrem schnelle und fiese Waffe, dazu ästhetisch sehr ansprechend, wie wir finden. Auffällig an diesem Messer ist ein quervernietetes Kreuz. Die Angel muss also auf dieser Höhe durchbohrt sein. Leider war diese Besonderheit schwer zu fotografieren, da die Niete fast vollständig runterpoliert ist. Der in Form einer Kappe gehaltene Knauf besitzt einen kleinen Haken und beendet den langen Griff. Zwei Hölzer sind mit vier Hohlnieten auf der Angel befestigt. Das S-förmige Kreuz besitzt eine Verdickung, um die breite Klinge aufzunehmen. Wie sich schon beim Anblick vermuten ließ, ist die Waffe schnell und führig. Dabei kam das erstaunliche Schwingungsverhalten der Waffe zum Tragen. Im Gegensatz zu anderen Waffen führen Klingenform und Aufbau des Messers zu einem sehr schwingungsarmen Verhalten. Einen Schwingungsknoten optisch zu ermitteln war nicht zuverlässig möglich. |
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„Kostbar“ Der archäologische Höhepunkt unseres kleinen Trips war jedoch die nordische Spatha, welche wir schon die ganze Zeit durch das Glas der Vitrine angehimmelt hatten und uns für die Vermessung bis zum Schluss aufhoben. „Nordisch“ schreibe ich hier unter Vorbehalt, da uns Fricker die Herkunft als „slawisch“ angab, was auch nicht unbedingt präzise ist. Jedenfalls legen Gesamtdesign, Gehilz und die Ornamentik eine klassische nordische Spatha nahe. Es entspricht dem von Jan Petersen festgelegten Typ B (De Norske Vikingesverd, 1919). Verglichen mit den rostigen Haufen, die man sonst in Museen zu Gesicht bekommt, war dieses Schwert in fabelhaftem Zustand, wenn auch als Bodenfund in nachvollziehbarer Weise angegriffen. Die Waffe ist bis auf die Griffhilze vollständig. Bemerkenswert sind die beidseitigen ornamentalen Klingentauschierungen in Silber (dargestellt sind Fabeltiere im Germanischen Tierstil (beziehungsweise Osebergstil, eine genauere kunsthistorische Einordnung überlassen wir dem mitlesenden Fachmanne). In der Versilberung des Knaufs setzen sich die Ornamente fort. Durch das korrodierte Metall lassen sich die wurmbunten Lagen des Schweißverbundwerkstoffes wunderbar nachvollziehen und erlauben Rückschlüsse auf das Schmiedeverfahren. Eine kleine Sensation war für uns der Fakt, dass die Angel in der Mitte verschweißt war und ein gut sichtbarer Spalt zu erkennen war. Ob es sich hier um eine Reparatur eines Bruchs handelt oder der Schmied beim Ausarbeiten des Rohlings nicht mehr genug Materialvolumen zur Verfügung hatte, wer kann das schon sagen? Spannend ist es auf jeden Fall. |
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„Ziemlich hohl...“ Und noch etwas Schönes aus dem Spätmittelalter! Ein mit 1015g relativ leichter aber aufgrund des hohlen Knaufs doch recht kopflastiger Anderthalbhänder mit einem Balancepunkt, der mehr als 20cm vom Kreuz entfernt ist. Woher Jürgen Fricker (beziehungweise der Vorbesitzer des Schwerts) die Sache mit dem hohlen Knauf wissen will, vergaßen wir zu fragen. Wegen der Brüchigkeit des Griffleders haben wir davon Abstand genommen, Haue mit diesem Schwert durchzuführen. Etwas seltsam nahm sich die Form des Knaufs aus: eine Art eingedrückter Diamant mit einem verlängerten Fortsatz am Ende, der mit der Vernietung abschließt. Ein Knauf mit eingebautem Nietenknäufchen. Das Gewicht der Klinge wird durch die sorgsam und sehr tief ausgeführte Hohlkehle weggenommen, die von zwei schmaleren Hohlkehlen umrahmt wird. In der Nähe des Kreuzes besitzt die Klinge in der Hohlkehle nur noch knapp 0,3cm Dicke. Bei der Schmiedemarke handelt es sich um einen tief eingeprägten Frosch. Ästhetisch ansprechend und sehr „gotisch“ ist die nach vorne ausgezogene Kreuzmitte, die sicherlich einmal in einen passgenau geformten Scheidenmund gehört hat. |
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„Niedlich!“ Niedlich fanden wir diesen kleinen Scheibendolch, der gerne ein Liechtenauer Degen wäre und wohl etwas zu kurz geblieben ist. Wie dem Maßblatt zu entnehmen ist, handelt es sich dabei um wenig mehr als 20cm Klingenlänge und somit nicht gerade um einen Giganten seiner Zunft. Unter den Stoßdolchen, die wir aus den Fechtbüchern kennen, bleibt er im wahrsten Sinne des Wortes um Längen zurück. Doch war er durch die „Vollstahl“-Bauweise ohne Griffholz oder Zwischenlagen an den Scheiben sehr massiv, dazu in gutem Zustand und sauber ausgearbeitet. Während die Knaufscheibe relativ unschön vernietet ist, besitzt der Griff sehr schöne Schneidarbeiten. Die Knaufscheibe ist gut einen Zentimeter breiter im Durchmesser als die Scheibe an der Klinge. Diese Form kommt bei Vollmetalldolchen um 1400 öfter vor und gibt dem Dolch ein fieses Aussehen. Ob sie für den Kampf sinnvoll war, mag man diskutieren können. Gut zu sehen auf den Bildern ist auch der schöne Vierkant-Hohlschliff. |
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„Von Seit- Reit- und anderen Schwertern“
Stellvertretend für eine ganze Reihe faszinierender Renaissancewaffen soll hier das folgende Exemplar etwas eingehender behandelt werden. Vorgestellt wurde es uns als „Reitschwert“, bekannt ist eine solche Waffe auch als „Seitschwert“. Zwei Begriffe, mit denen die nebenstehende Waffe nicht leicht assoziiert wird. Eher denkt man bei diesem langen Schwert an ein Langes Schwert oder Langes Rapier. Das „Reitschwert“ ist ein historischer Begriff, der sich schon sehr früh belegen lässt. So klagt 1497 „Cunz Vbelein von Brussel gegen Hans Vbelein zu Gaustadt“ um sein väterliches und mütterliches Erbe. Auch nach Jahren hatte er das noch immer nicht erhalten können, sondern stritt 1503 um acht Gulden drei Pfund, eine Armbrust und ein Reitschwert. Jakob Ayrer der Ältere, 1618, erwähnt "ein neues baar stieffel an einem reütschwerd". Was nun mit diesen Reitschwertern in einer Zeitspanne von über 100 Jahren gemeint war, erschließt sich uns nur schwer. Auch der Zusammenhang mit einer Seitenwaffe der Reiterei ist nicht widerspruchsfrei zu belegen. Jedenfalls ist uns kein Hinweis bekannt, der unwiderlegbar auf diesen speziellen Waffentypus hinweist, um den es hier nun gehen soll. Der Begriff „Seitschwert“ scheint uns eher ein moderner Begriff zu sein, dem ebenso umstrittenen englischen „Sidesword“ entlehnt. Was soll das sein, ein „Seitschwert“? Eines das man an der Seite trägt? Dann wären so ziemlich alle Schwerter irgendwie „Seitschwerter“, Nun ja. Ähnliche Einordnungsprobleme hat man ja mit dem italienischen „Spada da lato“, das zwar in den Quellen wie bei Angelo Viggiani der linken Seite zugeschrieben wird, aber eine direkte Bezeichnung dazu findet sich in keiner der Quellen des 16. Jahrhunderts (Wikipedia liegt da falsch). Auch in den italienischen Quellen sind die Grenzen zwischen Rapier und Schwert fließend. Vermessen haben wir vier Waffen, die eines gemeinsam haben: Sie haben das schlanke Aussehen und das reich ausgestattete Gefäß eines Rapiers, jedoch die Länge und vor allem den Griff eines Anderthalbhänders ("Schwert zu anderhalb Hand" ital. "Spada da uno mano e mezza"). Führt man sie wie ein Rapier mit einer Hand, geht das zwar eine Weile gut. Doch schien uns das Gewicht dazu geeignet, schnell zu ermüden und auch der Geschwindigkeit abträglich zu sein. Fasst man den Griff mit zwei Händen, wofür dieser ausdrücklich geeignet ist, fühlt sich die Waffe subjektiv zwar äußerst schnell und führig an, doch gleichzeitig für ein Langschwert zu grazil und zu empfindlich. Rapier oder Langschwert? Beide Schubladen scheinen nicht befriedigend. Zähneknirschend einigten wir uns darauf, es mit einem Übergangstypus zu tun zu haben. Mangels eines besseren deutschen historischen Begriffs wird sich die Szene wohl vorerst mit „Reitschwert“ begnügen müssen. Fakt ist, dass es wohl ziemlich viele erhaltene Originale dieses Typs gibt. Wir haben es also nicht mit einer Sonderform, sondern mit einer im 16. Jahrhundert sehr verbreiteten Waffe zu tun. Dieses Reitschwert weist eine Klingenlänge von 107cm und eine Grifflänge von 25cm auf und diese Maße deuten auf ein typisches Langes Schwert hin, wäre die Klinge nicht so schmal (2,78cm) und so dünn. Auffällig sind die beidseitigen Kronen als Schmiedemarken im Ricasso und eine struppige gemeißelte in der Klinge. |
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„Ein Paradestück“ Ein besonders schönes Stück für alle Freunde der Renaissancewaffen. Stilistisch ist das Exemplar mit seinem „Knoblauchknollen“-Knauf und den tordierten Schneidarbeiten am Gehilz typisch für die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts, wobei die „Schraffuren“ an Knauf und Kreuzkappen besonders apart wirken. Sehr elegant sind auch die Parierelemente für die Hand ausgeführt, wobei die Asymmetrie der Bügel ins Auge fällt, welche die "Lange Schneide" der beidseitig scharfen Klinge klar vorgibt. Auch dieses Schwert würde von so manchem Historiker bedenkenlos als Reitschwert eingeordnet werden, meiner Meinung nach liegt aber bei diesem Griff die zweihändige Bedienung klar auf der Hand. Dennoch ist das Schwert mit 1360g sehr leicht, bei einer Länge von immerhin 123cm. Auffällig ist die fast schon modern abstrahierte Gravur eines Kruzifix, Christus am Kreuz. Genaugenommen handelt es sich bei der Kreuzform um ein sogenanntes „Patriarchenkreuz“ (auch „spanisches Kreuz“ genannt) mit einem breiten Querbalken über dem Christuskopf, der das Schild mit der Inschrift symbolisiert, die aber ausgespart wurde. Die Verwendung des Patriarchenkreuzes war ein Privileg. Die Vermutung, dass diese Waffe einmal einem Bischof gehört hat, liegt nahe. Neben der Hohlkehle ist eine Schnecke als Schmiedemarke eingeritzt. In der einen Hohlkehle findet sich in Großbuchstaben die Inschrift "** EL * SANTISIMO * CHRIST (evtl. ein bis zwei weitere Buchstaben)". Auf der anderen Seite ist eine Inschrift in Großbuchstaben zu sehen; sie lautet vermutlich "**MIN * SINAI *** HIS***. | ||
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An diesem Artikel wirkten mit: Alexander Klenner: Datenerfassung Armin Weckmann: Datenerfassung Jens Peter Kleinau: Datenerfassung, Webdesign Marlis Merbach: Fotografin Matthias Schmidt: Datenerfassung Peter Samow: Datenerfassung Thorsten Metzger: Datenerfassung Torsten Schneyer: Organisation, Text |










