Beitrag 10:59 – 27. Juli 2011 bearbeitet von Torsten Schneyer
Markus Hampel (Hammaborg) hat Meisterbriefe der beiden großen Fechtergilden ausgegraben und ins Netz gestellt. Ich finde diesen Dokumente in ihrer ausführlichkeit, aber auch in ihrer Formelhaftigkeit sehr faszinierend.
Kurze Erklärung zum Inhalt für die nicht mit der Materie vertrauten Zornis:
Im 16. bis 18. Jahrhundert gab es in Mitteleuropa zwei große Fechtbruderschaften, die „Gemeine Bruderschaft unserer lieben Frauen der reinen Jungfrau Mariens und des heiligen und gewaltsamen Himmelsfürsten Sankt Marxen“, kurz "Markusbrüder" oder "Marxbrüder" genannt, und die "Gesellschaft der Freifechter von der Feder von Greifenfels", kurz "Federfechter" oder einfach "Freifechter". Diese Gilden verband eine Beziehung der konstruktiven Konkurrenz. Die Marxbrüder hatten ihren Hauptsitz bei uns in Frankfurt, die Federfechter ihren in Prag. Wenn ein Fechtergeselle vons einem Meister für reif und fähig genug erachtet wurde, bekam er von diesem einen Empfehlunsbrief und war somit ein "angelobter" -sozusagen ein vorläufiger- Meister.
Er hatte dann die Pflicht, innerhalb der nächsten 3 Jahre in den Haupsitz der jeweils anderen Bruderschaft zu reisen und sich dort prüfen zu lassen.
Die folgenden Texte sind solche Empfehlungsbriefe, Markus hat außerdem noch einen kaiserlichen Previlegiumsbrief dazwischen geschmuggelt.
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Lehrbrief eines Fechters von St. Marco und Löwenberg.
Dero Römisch Kayserl. auch zu Hungarn und Boheim
Königl. Majest. und des heiligen Röm. Reichs Getreuer der
militärischen Exercitium Kunst erfahrner von St. Marco und
Löwenberger Hauptmann; Ich Johann Hartl von Ham-
burg gebürtig, thun kund und bekenne öffentlich hiermit, vor
jedermänniglich so dieser Meisterbrief augenscheinlich zu lesen
oder zu hören vergnüget, daß ich aus Röm. Kayserl. Macht
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und Freyheit, heut dato den Ehr- und Mannhaften Joseph
Georg Köppel von Leipzig gebürtig, seines löblichen Hand-
werks ein Kirschner der Wiederpart vorgestellet, und in allen
ritterlichen Gewehren, wie man sie allhier vor Augen ge-
sehen hat, von der längsten bis zur kürzsten, und von der
kürzsten bis zur längsten, wie es in solcher ritterlichen Kunst
gebräuchlich, probiren lassen, da er sich den ehrlich, redlich
und männlich gegen seinen Wiederpart verhalten, in der löb-
lichen See- Kauf- und Handels-Stadt Dantzig in Preußen,
nachdem habe ich die Wiederpart zu Rede gestellet, ob sie
gegenwärtigen Joseph Georg Köppel paßiren, und für
einen ehrlichen Meister erkannten, welches sie allsämtlich mit
einem Ja bekräftiget, darauf ich ihm seines Wohlverhaltens
halber zu einem angelobigen Meister des langen Schwerds
geschlagen, ihm auch sein Eydespflicht treulich ermahnet, daß
er alle Articul und Gesetz, so sich bey der Meister des
Schwerds Freyheit befinden, treu und ehrlich nachzukommen,
und derselben nicht widersetzen, oder widerstreiten, noch viel-
weniger einen Anlaß darzu geben, oder gestatten, welches er
mit einem körperlichen Eyd und aufgerichteten Finger ange-
lobet und geschworen hat, auch daß er innerhalb zwey oder
drey Jahren zu Frankfurth am Mayn erscheinen, und seinen
mir vorgethanen Eyd eine Genüge thun, es wäre dann Sach,
es möchte Gottes Gewalt ehehaft*) oder Herrn Geschäfte
ihm davon verhindern, und sind seiner Zeugen und Pathen
der ehrenfeste Johann Rauscher, Kauf- und Handelsmann,
und der ehrenfeste Michael Günther, Kauf- und Handels-
mann, der ehrbare George Höhrmann, Bürger und
Breittuchmacher, der ehrbare Josef Franz Wimmer,
Bürger und Zeugmacher, gelanget derowegen resp. mein
unterthänigst tiefst und hochfleißiges Bitten und Ersuchen
an alle und jede, was Standes Würden oder Dignitäten
die seyn: König, Fürsten, Grafen, Freyherrn, Ritter, Adel,
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*) mhd. êhaft legitimus, gesetzlich rechtmäßig.
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Reichs Stadt, Schultheiß, Bürgermeister, Richter und Ge-
meine der Stadt, Flecken, Dörfer, Clausen, Paß zu Wasser
und zu Landes von wegen Ihrer Röm. Kayserl. Maj. hoch-
ertheilten Freyheit, den obbemeldten Joseph Georg Köp-
pel, frey, sicher und ungehindert zu Lande und Wasser paß-
und repaßiren zu lassen, damit er dem edlen Schwerd nach-
kommen mochte, so gelanget auch mein Dienst und Ersuchen
an die vier Deputirte, wie auch an alle approbirte Meister
des langen Schwerds, von der Hochedlen und weitberühmten
Brüderschaft von St. Marco und Löwenbergen zu Frank-
furth am Mayn, oder sonst ander Orten und Enden, sie
wollen obgedachten Joseph Georg Köppel…, auf Er-
scheinen und freundliches Ersuchen allen guten geneigten
Willen und Besorderlichkeiten, wegen seines ehrlichen und
männlichen Verhaltens halber erzeigen, Ihm auch für einen
ehrlichen angelobten Meister aller Orten frey und ungehin-
dert passiren lassen, das bin ich in Unterthänigteit um einen
jeden nach Standes Würden dienstfleißig zu verschulden, zu
wahren Uhrkund habe ich diesen Meisterbrief, mit meinen
wohlerworbenen adelichen Insiegel und eigenhändigen Unter-
schreibung verfertigter ertheilen wollen, geschehen in der
Königl. See- Kauf- und Handels Stadt Dantzig in Preußen
den 22. Iunius Anno Ein tausend Sechshundert zwei und
achtzig
Johann Hartl
Hauptmann von St. Marco und Löwenberg.
Lehrbrief eines Freyfechters.
Ich Martin Werdnik, gebürtig von Camentz und
durch Ihro Röm. Kayserl. Majest. Privilegien und Freyhei-
ten der Ritter und adelichen Kunst des Fechtens, ein appro-
birter Meister des langen Schwerds von Greifenfels, wie
auch wohlbestallter Unterhauptmann über die adeliche Gesell-
schaft der Fechter von der Feder, entbiete männiglich, denen
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dieser Brief resp. zu Handen kommt, meinen freundlichen
Gruß, mit geneigter Darstellung meiner bereitwilligsten
Dienste, und thue vor jedermann kund und bezeuge Kraft
dieses Briefes, mit meinen anhangenden Siegel, daß Vor-
weiser dieses, der ehrbare und mannhafte Rudolph Geb-
hardt, gebürtig von Magdeburg seines löblichen Handwer-
kes ein Schuhmacher, von mir die ritterlich und adeliche
Kunst des Fechtens aufrichtig und ehrlich erlernet, auch nach-
mahls auf öffentlich und freyer Fechtschul in der weitbe-
rühmten Churfürstl. Residenz-Stadt Maynz, von mir Mar-
tin Werdnik, approbirten Meister des langen Schwerds
von Greifenfels, über die Gesellschaft von der Feder, denen
gesamten anwesenden Brüdern von St. Marco und Löwen-
bergen, zum probiren vorgestellet worden, welcher ihnen auch
in allen ritterlichen Gewehren, als von kürtzsten bis zur
längsten, und von der längsten bis zur kürtzsten Wehre, ihrer
besten Kunst und Vermögenheit nach probiret haben, der
ihnen auch aus allen und jeden Ritterlichen Gewehren, der
Kunst gemäß, Satisfaction gethan hat, und er also dieses
Tages auf gewöhnlich Befragen von ihnen gesamt und öf-
fentlich auf freyer Fechtschul, vor einen tapfern Freyfechter
von der Feder erkennet und angenommen.
Worauf denn gedachter Rudolph Gebhardt auch von
mir Martin Werdnik, approbirten Meister des langen
Schwerds von Greifenfels um seiner wohlerlernten freyen
Ritterlichen wohlbestandenen Fechtkunst willen, woran mäu-
niglich ein gutes Coulent und Wohlgefallen gehabt und ge-
tragen, mit meiner Faust zu einem Freyfechter von der Fe-
der geschlagen worden ist, der mir auch alsobalden öffentlich
versprochen und zugesaget hat, innerhalb drey Jahren außer
Krankheit auch anderer Ehehaften, oder Kriegsunsicherheit sich
nacher Prag zu verfügen, und zu einen Meister des langen
Schwerds schlagen zu lassen.
Weil denn nun obgedachter Rudolph Gebhardt dieser
seiner wohlerlernten Ritterlichen Fechtmeisterkunst halber, mich
9
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um ein glaubwürdiges schriftliches Zeugniß angelanget hat;
Als habe ich ihm obangezogener Ursachen halber, solches
nicht abschlagen können noch wollen, sondern vielmehr der
Wahrheit zu Steuer diesen Bries unter meinen anhangen-
den Insiegel und Handes Unterschrift gutwillig und wohl-
wissentlich ertheilet. Und sind seine Zeugen und Vettern ge-
wesen, die Ehrendeste, Ehrsame Friedrich Wilhelm Hem-
sen, Chur-Mayntzischer Überschläger, Bürger, Hauptmann
und Hof-Schumacher, Johann Schlechta, Bürger und
Schuhmacher, wie auch Weinschenke in Mayntz. Gelanget
derowegen an alle und jede, wes Standes und Würden re-
spective die seynd, insonderheit aber die gesammte Liebhaber
der Ritterlichen Fechtkunst, wie auch an alle Ehren wohlge-
acht und mannhafte Meister des langen Schwerds der ade-
lichen Gesellschaft von Greifenfels von der Feder, mein dienst-
freundlich Ersuchen und fleißiges Bitten, Sie wollen ofter-
wehnten Rudolph Gebhardt, um seiner erlernten Fecht-
kunst halber, wo er diese begehren und verlangen möchte,
nicht allein vor einen ehrlichen Freyfechter erkennen und an-
nehmen, sondern auch derowegen aller Orten zu Wasser und
Lande frey, sicher und ungehindert paß- und repassiren zu
lassen, und ihme dabey alle Ehre, Gunst, und fördersamen
geneigten Willen zu erweisen; Solches verlange ich auch re-
spective um einen jedweden Standes Gebühr nach, in deren
gleichen oder andern Vorfallenheiten nach Möglichkeit, hin-
wieder bereitwilligst zu bedienen und zu verschulden. Zu
dessen mehrerer Beglaubigung und Bekräftigung ist mein
hier anhangendes Insiegel und eigen Hand Unterschrift.
So geschehen und gegeben in der weitberühmten Chur-
fürstl. Residenz-Stadt Mayntz, nach Christi IEsu unsers
einigen Erlösers und Seeligmachers Gnadenreichen Geburth
den 27ten Monathstag Ianuarii im 1719 Jahre
Martin Werdnik
Unterhauptmann von Greifenfels.
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Privilegiums-Brief.
Wir Leopold von Gottes Gnaden, erwehlter Römischer
Kayser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien,
zu Hungarn, Böhmen, Dalmatien, Sclavonien König, Ertz-
Herzog zu Oesterreich, Herzog zu Burgund, zu Braband, zu
Steuer, zu Carnten, zu Crain, zu Luxenburg, zu Würten-
berg, Ober- und Nieder-Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marg-
graf des heiligen Römischen Reichs, zu Burgau, zu Mähren,
Ober- und Niederlausitz, gefürsteten Grafen zu Habspurg zu
Tyrol, zu Pfürt, zu Kuhburg, zu Görtz, Landgraf in Elsaß,
Herr auf der Windischen Mark, zu Bortenau und zu Za-
lis et et.
Daß haben wir angesehen, ihr der Obbemeldeten Meister
und Freyfechter von der Feder unterthänig ziemlicher Bitt,
und darum mit wohlbedachten Muth, guten Rath und rech-
ten Wissen ihnen nicht allein obberührte ihre verglichene und
von weyland obhöchstgedachten Kayser Rudolpho II. confir-
mirte, von uns aber renovirte Ordnung und Satzung in
allen und jeden ihren Punkten, Clausuln und Articuln als
jetzt regierender Römischer Kayser, nicht allein gnädigst con-
firmiret und bestätiget, sondern auch derselben dritten Punkte
und Articul, als dahin fernerweit extendiret und erkläret,
daß wenn kein Meister des langen Schwerds, aus der Brü-
derschaft von St. Marco an St. Veitstage zu Prag sich be-
finden sollen, sodann ihr der Freyfechter von der Feder
Obmann Hauptleute, oder sonst älteste Meister des langen
Schwerds, so zur Stelle seyn würden ihre Leute auf ihr Be-
gehren unverhinderlich probiren mögen, darzu auch ihnen
gnädigst verlaubet, vergönnet und zugelaßen, daß sie in den
öffentlichen Fechtschulen und in den Ausruffen nicht weniger
als die Meister des langen Schwerds der Brüderschaft von
St. Marco, sich der Formalien nach Innhalt ihrer wohler-
worbenen Kayserlichen Freyheiten gebrauchen, auch zugleich
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sich hinführo Meister des langen Schwerds von Grei-
fenfels über die Gesellschaft der Freyfechter von
der Feder nennen, und schreiben sollen und mögen von
allermänniglich unverhindert; Wir haben auch erst bemelde-
ten Meistern des langen Schwerds von Greifenfels über die
Gesellschaft der Freyfechter von der Feder, die besonderliche
Kayserliche Gnade gethan, und ihnen ihr vorgehabtes und
hinvor in weyland Kayser Rudolphi des II. bestätigten Brie-
fes beschriebenes Wapen und Kleinod, sich desselben auf öf-
fentlichen Fechtschulen und sonsten ihrer Ehren Nothdurft
willen und Wohlgefallen nachhabend zu gebrauchen nachfol-
gender maßen.
Als nehmlich ein quadrirter Schild, dessen hintere unter
weiß oder Silberfarb, in welchen vorwerts aus einen in
Grund liegenden drey buckelten Felsen stehender junger ge-
harnischter Mann mit der rechten Hand über die Achsel ein
bloß Schwerd haltend, die linke in die Luft spritzend*) auf
dem Kopf ein mit vorwerts fürfallenden Strauß-Federn, deren
hintern erste weiß, andere roth, dritte gelb, vorderste blau ist,
gezierende Blechhaube habend vordere Obertheil gelb, von des-
fen beyden Seiten aus hervorschauenden Wollen zwey roth
bekleidete Mannsarmen mit zusammen geschlagenen geschlos-
senen Händen, eine mit der Spitze unter sich gekehrte Feder
mit gelben Gefieder haltend, vor untere blau oder Lahne-
Farbe, darinnen zwey creutzweise übereinander geschränkte
blosse Schwerdter mit vergoldeten Knöpfen und Schäften,
und anstatt des Creutzes mit doppelten gelben Adlers-Federn,
ihre Fugen innenwerts kehrend, hintern Obertheil aber roth
oder rubin Farbe, in welcher innwerts ein aufwerts stehen-
der gecrönter gelb oder goldfarb geflügelter Greif, mit offe-
nen Schnabel, roth angeschlagener Zungen, und zwischen die
Hinterfüße unter sich gedoppelter Schwanz, in beyden For-
derbratzen ein blosses Schwerd mit vergoldeten Knopf und
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*) spreitzend.
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Schaft rückwerts zum Streich haltend, mit den untern aber
auf einer Cron, und in die Cron auf einen Felsen stehend,
in der mitten des ganzen Schildes, ein Purpurfarbenes ge-
cröntes Herz-Schild in einem Lorber-Cranz, und oben ein
Aug gezeichnet, und in dessen Grund ein dreybuckelter Berg
zu sehen, auf dem Schild ein Grad vorwerts gestellter blau
angelaufener adelichen Turnirhelm zur linken mit gelb und
blau, rechter Seiten roth und weißen Helmdecken und einer
goldenen Crone gezieret, auf welcher ein Felsen und darauf
der obenbeschriebene Greif vorwerts stehend zu sehen. Als-
den solches also vermehret, gezieret und verbeßertes Adeliches
Wapen, in dieser unserer Kayserlichen Libel weiß geschriebe-
nen Briefes 10ten Blats erster Seiten gemahlet, und mit
Farben eigentlich ausgestrichen ist, thuen das, confirmiren,
erklären und extendiren solche ihre Ordnung und Satzung
vorberührter maßen gönnen, und erlauben ihnen vorgeschrie-
benes vermehret und verbeßertes Wapen und Kleinod zu füh-
ren, und neben dem Prädicat von Greifenfels, zugleich bey
öffentlichen Fechtschulen, indeme sich der Formalien nach In-
halts ihren wohlerworbenen Kayserlichen Freyheiten zu ge-
brauchen, von Kayserl. Maj. Macht und Vollkommenheit hier-
mit wißentlich in Kraft dieses Briefes und meinen satzen
wollen, daß solche ihre aufgerichtete von uns confirmirte de-
clarirte und extendirte Ordnung, Puncten und Articuln kräf-
tig und mächtig seyn, und sich denselben, wie auch der vor-
bestimmten Formalien in Ausruffen und öffentlichen Fecht-
schulen neben den ihnen verliehenen Prädicat von Greifen-
fels und verbeßerten Wapen und Kleinod zu ihrer Nothdurft
gebrauchen sollen und mögen, von allermänniglich und un-
verhindert. Und gebiethen darauf allen und jeden Churfür-
sten, Fürsten, geistlichen und weltlichen Prälaten, Grafen,
Freyherrn, Rittern, Knechten, Landmarschallen, Landhauftt-
leuten, Bißthumvoigten, Pflegern, Verweisern, Amtleuten,
Landrichtern, Schultheißen, Bürgermeistern, Richtern, Rä-
chen, Kundigern oder Wapen, Ehrenhelden, Präsidenten,
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Bürgern, Gemeinden und sonsten allen andern, unsern und
des Reichs, auch unser Erb-Königreich, Fürstenthum und
Lande Unterthanen und Getreuen, was Würde, Standes oder
Wesens diese seyn, ernstlich und vestiglich mit diesen Brief,
und wollen, daß sie vorgedachte Meister des langen Schwerds
von Greifenfels über die Gesellschaft der Freyfechter von der
Feder bey dieser unser Kayserlichen Konfirmation, Declara-
tion, Exclusion ihrer Freyheit zusammt der bewilligten Aus-
ruffung und Prädikat von Greifenfels über die Gesellschaft
der Freyfechter von der Feder, wie auch den vermehrten ge-
zierten und vermehrten Wapen und Kleinod geruhig bleiben,
sich der Freyheit gebrauchen und genießen laßen, hierinnen
unserntwegen dabey handhaben, schützen und schirmen, und
ihnen darinnen kein Irthum noch Eintrag thun, noch je-
mand andern zu thun gestatten, in keiner Weise und Wege
als lieb einen jeden sey, unsere schwere Kayserliche Ungnade
und Strafe, und dazu eine Poen nemlich 30 Mark löthigen
Goldes zu vermeiden, der ein jeder etwas freventlich Hier-
wider thäte, halb in unsere Kayserliche Cammer, und der
andern halben Theil mehr ernannten Meister des langen
Schwerds von Greifenfels, über die Gesellschaft der Frey-
fechter von der Feder, so hierüber befriedigt wird, unnach-
läßig zu bezahlen verfallen seyn solle.
Mit Uhrkund dieses Briefes besiegelt, mit unfern Kay-
ferlichen anhangenden Insiegel, der gegeben ist in unser Stadt
Wien, den andern Monathstag December nach Christi un-
sers Erlösers Geburth, in Sechzehnhundert Acht und Achtzig,
unsers Reichs, des Römischen in 31ten, des Ungarischen in
34ten, und des Böhmischen im 33ten Jahres.
Leopold I. m. p.
Meisterbrief eines Federfechters.
Ich Jacob Joseph Schädel Obmann und approbir-
ter Meister des langen Schwerds von Greifenfels, über die
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Gesellschaft der Freyfechter von der Feder, uhrkunde und be-
kenne hiermit öffentlich und vor jedermänniglich, absonder-
lich denen so daran gelegen; demnach der Ehrenveste Mann-
hafte Adolf Hagenauer gebürtig aus Wien, seiner Pro-
fession ein Zinngiesser, sich gebührlichermaßen den 15 Mo-
nathstage Iunii A. 1735 bey mir angegeben, und um die
Meisterschaft des langen Schwerds von Greifenfels, über die
Gesellschaft der Freyfechter von der Feder fleißig angehalten,
ich auch darneben nicht allein seiner Geburth, löblichen Wan-
dels und Wohlverhaltung mich mit Fleiß erkundigt, und in
der Wahrheit recht erfahren, sondern auch ihme in seiner
Kunst richtig und bewähret erfunden. Dahero ihm auch das
Kayserliche Privilegium der Gesellschaft der Meister des lan-
gen Schwerds von Greifenfels von der Feder erwehlet, haben
derowegen nicht umgehen sollen noch wollen, ihme gedachten
Adolf Hagenauer, dessen sowohl ehrliche Kundschaft und
glaubwürdiges Zeugniß, als auch der andern uns von Kay-
serl. Maj. mitgetheilten ansehnlichen Privilegium und Frey-
heiten gutwillig mitzutheilen, vermöge jetzt besagten unsers
habenden Privilegien-Inhalts, welcher von Wort zu Wort
lautet, wie oben stehet.
Dieweil denn nun der Ehrenveste und Mannhafte Adolf
Hagenauer, tüchtig wie oben erwehnet, seiner Geburth,
guten Nahmens und ehrlichen Wohlverhaltens halber, wie
auch in seiner Kunst genugsam approbiret, von mir erfun-
den worden, und sich also erzeiget, daß mir und männiglich
eine vollkommene Satisfaction daran geschehen; Als thue ich
ihm mehr bedachten Adolf Hagenauer darauf, Kraft die-
ses habenden Privilegii, und dieser öffentlich freywilligen mit-
getheilten Zeugniß, wie vor auf den Fechtschulen mündlich
geschehen, als nochmahls hiermit schriftlich, nicht allein zu
einen approbirten Meister des langen Schwerds von Greifen-
fels, über die Gesellschaft der Freyfechter von der Feder aller-
gnädigst mitgetheilten Wapen und Kleinod theilhaftig machen,
und darneben ihm auch wissentlich gutwillig ertheilen, solcher-
— S E I T E N W E C H S E L —
gestalt, daß wo Adolf Hagenauer, in eine Stadt kom-
men, allda eine freye Fechtschule halten, so sollen die Frey-
fechter zurück stehen, und diesen approbirten Meister des lan-
gen Schwerds von Greifenfels, über die Gesellschaft der Frey-
fechter von der Feder, Kraft jetztgedachten Kayserl. Privilegium
und Freyheits-Begnadigung den Vorzug laßen; dessen zu
Uhrkund und Bestätigung zur Wahrheit, auch mehrerer Ver-
sicherung habe ich mich verordneter Obmann mit dem an-
hangenden Generals Insiegel, oder approbirten Meister des
langen Schwerds von Greifenfels, über die Gesellschaft der
Freyfechter von der Feder confirmirt, bekräftiget, und wißent-
lich verfertiget. So geschehen in der Königlichen Residentz-
Stadt Prag den 15ten Junii im Jahr Christi 1735
Jacob Joseph Schädel
Ob- und Oberhauptmann von Greifenfels